Die Insolvenz der Hotelgruppe Revo trifft Hotels in der Region. Neben dem H4-Hotel in Kassel ist auch ein Hotel in Willinge betroffen.
Kassel/Willingen/Berlin – Die Insolvenz der Hotelgruppe Revo, die Ende vergangener Woche bekannt wurde, hat auch Auswirkungen auf die Region. Wie eine von Revo und dem Insolvenzverwalter beauftragte Agentur auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, ist die H-Hotel-Gruppe ebenfalls betroffen. Die Gruppe, die bis 2025 in Bad Arolsen ansässig war, betreibt unter anderem das H4-Hotel am Kasseler Kongress-Palais und das H+-Hotel in Willingen.
Revo meldete für 140 Tochtergesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Charlottenburg an. Diese sollen mit allen Mitarbeitern uneingeschränkt weiterarbeiten. „Die Gesellschaften sollen schnell stabilisiert und bis zum Sommer zügig saniert werden“, erklärte ein Sprecher.
Unklarer ist die Lage bei einem anderen Fall: Der künftige Betreiber des im Bau befindlichen Holiday Inn Express in der Kasseler Rudolf-Schwander-Straße, die Success Hotel Group, gehört ebenfalls zum Revo-Konzern. Die Volksbank Kassel-Göttingen, Eigentümerin und Bauherrin des Gebäudes, vermietet es an Success. Das Hotel soll rechtzeitig vor der Documenta 2027 eröffnen.
Insolvenz bei Revo und Success – Auswirkungen auf Region
Ob die Success-Gruppe ebenfalls Insolvenz angemeldet hat, bleibt offen – eine Eintragung ins Insolvenzregister fehlt bislang. Eine Anfrage unserer Zeitung an Revo, ob die Insolvenz Auswirkungen auf den Neubau haben könnte, blieb bislang unbeantwortet. Die Volksbank Kassel-Göttingen erklärte auf Nachfrage, sie habe bislang keine Kenntnis von einer Insolvenz des Mieters. „Vor dem Hintergrund der weiteren Beteiligten, insbesondere der Franchise-Geber der Marke Holiday Inn Express & Suites und die IHG Hotel Ltd., sehen wir die planmäßige Eröffnung des Hotels im Vorfeld der documenta im Frühjahr 2027 aktuell nicht als gefährdet an. Alle Baumaßnahmen liegen voll im Plan“, sagte ein Sprecher. Zur Success Hotel Group gehört auch das Holiday Inn Express in Göttingen.
Die Revo-Gruppe betreibt in Deutschland 174 Hotels, laut einer Mitteilung sind von den Insolvenzanmeldungen insgesamt 125 Hotels in Deutschland betroffen. Zur Gruppe gehören Eigenmarken wie Hyperion und Vagabond, zudem ist Revo Lizenznehmer großer Hotelkonzerne wie der Intercontinental Hotels Group oder IHG, dem auch die Marke Holiday Inn gehört. Das Handelsblatt berichtete, dass der Revo-Konzern, der bis April 2025 unter dem Namen HR Group firmierte, bereits seit dem Jahr 2014 keine Gewinne mehr erzielte und zuletzt mit 19.9 Millionen Euro überschuldet gewesen war.
«Mit den überwiegend in Eigenverwaltung beantragten Verfahren für die rund 140 Gesellschaften bestehen gute Aussichten für eine zügige Sanierung und eine langfristige Fortführung», teilte Rechtsanwalt Gordon Geiser, der für die Dauer der Sanierung die Geschäftsführung der betroffenen Gesellschaften übernommen hat, der Presseagentur dpa mit.
Expansion in den vergangenen Jahren
Ein Hauptgrund für die Insolvenz sei die aggressive Expansion der vergangenen Jahre. Seit 2020 wuchs die Zahl der Hotels von 51 auf rund 250. Die Übernahme neuer Hotels verursachte hohe Kosten, erklärte Revo. Gleichzeitig seien die Übernachtungszahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und der geplante Umsatz für 2025 sei nicht erreicht worden. Die neuen Geschäftsführer suchen nun nach internationalen Investoren.
Vergangene Fälle zeigen, dass solche Sanierungen erhebliche Folgen für die Hotelstandorte haben können. Beim Düsseldorfer Hotelkonzern Lindner führte die Übernahme durch die Kinder der Gesellschafter nach der Insolvenz zu zahlreichen Kündigungen von Pachtverträgen. Die Zahl der Standorte halbierte sich fast.
Bei einer üblichen Insolvenzquote von rund 15 Prozent bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung dürften Lieferanten, Eigentümer und Geschäftspartner von Revo in Summe auf hohen Millionenbeträgen sitzen bleiben, vermutet das Branchenportal hotelvor9.de. Die Insolvenzquote beschreibt den Prozentsatz einer offenen Forderung, den ein Gläubiger nach Abschluss eines Insolvenzverfahrens tatsächlich zurückerhält.
Quelle: HNA vom 17.02.2026, JBG-Reserach.