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Über Jahrzehnte gab es große Pläne für das Industriedenkmal Salzmann im Kasseler Osten. Nach vielen Rückschlägen entsteht hier doch noch ein neues Wohnquartier. Die Euphorie ist groß.
Kassel – Für Kassel könnte dieser Donnerstag historisch gewesen sein. Fast ein Vierteljahrhundert nach den ersten Planungen für ein Kultur- und Handelszentrum auf dem Gelände der ehemaligen Salzmannfabrik erfolgte am Donnerstag die Grundsteinlegung für das neue Wohnquartier in Bettenhausen. Die zur niedersächsischen Lindhorst-Gruppe zählende Firma Cureus baut hier ein Pflegeheim und saniert das denkmalgeschützte Industriedenkmal aus dem 19. Jahrhundert. In der Seniorenresidenz soll es 163 Pflegeplätze geben, dazu Betreutes Wohnen. Insgesamt sollen auf dem Areal 152 größtenteils geförderte Wohnungen entstehen. Curues will bis zu 100 Millionen Euro in das Projekt investieren.
Bei der feierlichen Zeremonie, bei der eine HNA-Ausgabe vor knapp 150 Gästen in einer Zeitkapsel im Fundament versenkt wurde, sparte Oberbürgermeister Sven Schoeller nicht mit Superlativen. Der Grünen-Politiker sprach vom „Wunder von Bettenhausen“ und bedankte sich bei den Investoren: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie lange wir uns auf diesen Tag gefreut haben. Sie haben sich ein Stück weit in die Geschichtsbücher dieser Stadt geschrieben.“
Noch vor zweieinhalb Jahren sah es so aus, als würde Salzmann immer weiter verfallen. Der langjährige Investor Dennis Rossing stellte damals seine Pläne im Ortsbeirat vor. Am Ende der Präsentation prophezeite ein Ortsbeiratsmitglied: „Das wird nie etwas.“ Wenig später verkaufte der Unternehmer das Areal überraschend an die Lindhorst-Gruppe, die ihre Pläne im März 2025 vorstellte – und bald handelte. Die ersten Bauarbeiten begannen im Dezember. Die Grundsteinlegung nennt Cureus den „symbolischen ersten Meilenstein für die Entwicklung des gesamten Areals“. Für Projektleiter Roman Fabel Hansen entsteht hier ein „Lebensraum, der historische und moderne Architektur mit sozialer Verantwortung verbindet“.
An dem Ort, an dem früher die Techno-Clubs Aufschwung Ost und Stammheim residierten, soll es auch 1500 Quadratmeter für die Kultur geben. Dazu gibt es laut Fabel Hansen erste Nutzerideen. Und dort, wo am Donnerstag das Zelt für den Empfang der Gäste stand, soll Ende 2027, wenn die ersten Bewohner einziehen, ein Supermarkt eröffnen. Eine Zusage einer Kette gebe es bereits. Das Zelt auf der Baustelle wurde bei strahlendem Sonnenschein übrigens nicht gebraucht. Es war also nicht nur ein historischer, sondern auch ein schöner Tag.
Kai Lorenz Wittrock hatte das passende Geschenk zur Grundsteinlegung für das neue Wohnquartier auf dem Salzmann-Gelände mitgebracht. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung der Region Kassel übergab dem Projektleiter der Firma Cureus, Roman Fabel Hansen, das Buch des FAZ-Redakteurs Mark Fehr über „Geniestreiche aus Kassel“ und sagte sinngemäß, das nicht sehr dicke Buch müsse noch größer werden. Mit anderen Worten: Das, was gerade auf dem Areal des Industriedenkmals entsteht, könnte der nächste Kasseler Geniestreich werden.
Während der feierlichen Grundsteinlegung am Donnerstag sah man nicht nur bei Wirtschaftsvertretern strahlende Gesichter. Die Bauherren der Firma Cureus zeigten sich zufrieden, weil das Projekt bislang gut vorankommt, wie Fabel Hansen betonte. Der Neubau des Pflegeheims, das ab 2027 von der Firma Compassio aus Ulm betrieben werden soll, ist schon vorangeschritten. Die Sanierung des alten Fabrikgebäudes, für die Cureus verantwortlich ist, schreite ebenfalls voran. Weil dort gerade eine Schadstoffsanierung läuft, konnten die 150 Gäste die historische Anlage nicht besuchen. Einige Anwohner waren gekommen, die sich eine Aufwertung ihres Quartiers erhoffen. Und auch heimische Politiker waren angetan vom Mega-Projekt – etwa der neue Bettenhäuser Ortsvorsteher Max Schäfer (CDU).
Für Stadtbaurätin Simone Fedderke ist die Revitalisierung des Areals ein „Schlüsselprojekt für die Kasseler Stadtentwicklung“, wie sie feststellte: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie hier die Balance zwischen dem Erhalt unseres industriellen Erbes und der Schaffung von modernem, dringend benötigtem Wohnraum gelingt.“ Während Projektleiter Fabel Hansen die Abstimmungen mit der Stadt hervorhob, die man auf dem „kurzen Dienstweg“ vornehmen könne, zeigte sich Cureus-Geschäftsführer Christian Möhrke selbstbewusst. Nach vielen Versprechungen aus der Vergangenheit, die andere gemacht hätten, zeige man nun, was man könne. Dies war als Anspielung auf den vorherigen Investor Dennis Rossing zu verstehen, der auch schon große Pläne für das Areal hatte. Gebaut und saniert wird aber erst jetzt unter der Leitung der Firma Cureus, die zur Lindhorst-Gruppe aus Winsen an der Aller gehört. (Matthias Lohr)
1876: Die Bebauung des Areals für das Unternehmen Salzmann & Comp. beginnt. In der Weberei arbeiten später in Spitzenzeiten mehr als 5000 Menschen.
1971: Nachdem das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, wird die Produktion eingestellt. Im Lauf der Jahre ziehen unterschiedliche Mieter in den Gewerbepark ein.
1987: Zur documenta 8 wird der Verein Kulturfabrik Salzmann gegründet, der das Areal mit Konzerten, Ausstellungen und Theater bespielt. Die Fabrik macht sich als Factory und soziokulturelles Zentrum einen Namen.
1992: Der Techno-Club Aufschwung Ost eröffnet. 1996 wird er in Stammheim umbenannt und lockt jedes Wochenende Raver aus ganz Deutschland nach Kassel. Die letzte Party steigt im Februar 2002.
2003: Investor Dennis Rossing verkündet, die Fabrik in ein Kultur- und Handelszentrum umbauen zu wollen. Daraus wird ebenso nichts wie aus den Plänen des Bad Hersfelder Unternehmers für ein Technisches Rathaus und eine Multifunktionshalle, in der unter anderem die Huskies ihre Eishockey-Spiele austragen sollten.
2013: Die nicht unter Denkmalschutz stehenden Produktionshallen werden abgerissen.
2013: Das Team der Kulturfabrik Salzmann muss das Gelände verlassen und zieht in den Kupferhammer am Ortsausgang Richtung Kaufungen. Noch 2026 soll die Kulturfabrik ihr neues Zuhause im Agathofbunker beziehen, wenige Meter vom Salzmann-Gelände entfernt.
2025: Die Lindhorst-Gruppe stellt im März ihre Pläne für das Areal vor. Ab Dezember 2025 wird gebaut.
Quelle: HNA vom 24.04.2026, JBG-Reserach.